Alpveränderungen
Unsere Alpen waren vor alten Zeiten viel höher hinauf und stärker befahren als heutzutage. An vielen Orten, wo gegenwärtig nur noch Schafe und Ziegen weiden, wurden damals Kühe aufgetrieben.
So weideten nach der Sage die Älpler auf Firnen ennet der Märcht mit einem Sennten Kühe auf dem untern Geissberg, wo man wirklich noch heute Spuren von ehemaligem Gemäuer sieht. Einmal wurde das Sennten von einem Hagelwetter überrascht. Das erschreckte Vieh stürmte wild der jähen Fluh zu. In dieser Not hängte sich der mutige Hirt an den Schellenriemen der vorausstürmenden Trinkelkuh, um diese und mit ihr die folgende Herde zurückzuhalten. Aber es war umsonst. Sie riss ihn in unaufhaltsamem Lauf mit sich fort und über die jähe Wand hinaus, und ihr nach stürzte die brüllende Herde über den mehr als 100 Meter hohen, senkrechten Felsen in die Gorplangg hinunter und zerschmetterte.
Pfr. Jos. Arnold u.a.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.