Belohnte Barmherzlichkeit
a) Zur Witwe Dominika Bissig († 1848), deren Häuschen in Altdorf ob dem Gasthaus zur Krone stand, kam eines Abends ein Bettler, dem niemand Obdach hatte gewähren wollen. Er sei auch vorher schon öfters in Altdorf und da unter dem Namen »der lüsig Bättler« bekannt gewesen. Viele meinen, es sei der heilige Benedikt Labre gewesen. Liebevoll nahm ihn die Witwe auf, obwohl sie sonst als etwas knauserig verschrien war. Am nächsten Morgen beim Abschied prophezeite er: »Ein grosses Unglück wird über das Dorf kommen; dieses Haus aber wird verschont bleiben.« Als die Witwe das Zimmer ordnen wollte, darinnen der Fremdling genächtigt, fand sie zu ihrem Erstaunen das Bett unversehrt und unberührt vor. Die Weissagung ging beim Brande von Altdorf, im April 1799, in Erfüllung.
b) Erfreut über die gastliche Aufnahme, sagte der Fremdling: »Um Mitternacht wird es schrecklich losgehen in diesem Ort; aber habt keine Angst etc.« Um Mitternacht brach der Brand von Altdorf aus usw.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.