Die Zahl der Unholden
Nach Flüelen kamen einst zwei »Missionheerä« (Jesuiten) und liessen sich den Feldweg nach Erstfeld zeigen. Damals war die Reuss noch nicht eingedämmt und erfreute sich einer ungebundenen Freiheit; alte und neue Bachbette durchfurchten das Tal. Auf dem Marsche nahm einer der zwei Herren ein Fernrohr zur Hand, setzte es an die Augen und betrachtete sich die wilde Gegend nach allen Seiten. Endlich legte er es beiseite und tat den Ausspruch: »Wenn ich schon ein Viertel Nüsse hätte, und ich müsste einer jeden Unholden, die hier haust, eine halbe Nuss geben, so hätte ich bis Erstfeld keine einzige mehr.«
Karolina Tresch-Gisler, 80 J. alt, Seedorf
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.