Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Hexe mit zweierlei Strümpfen

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Im Herbst des Jahres 1808 kam ein fremdes Wybervölchli nach Bürglen, das an einem Bein einen roten, am andern einen schwarzen Strumpf trug. Auf dem Kopfe sass ihm eine Kappe mit Spitzen, die beständig auf- und abwackelten. Es betrat auch die Kirche, wo gerade Gottesdienst abgehalten wurde, und kniete in einen Stuhl zu den Andächtigen und hauchte und mumpfelte da, als ob es allein alles erbeten müsste. Einem Kind, das ein wenig rückwärts schaute, gab es einen Klaps, »äs Tschäppi«. Nach dem Gottesdienst stand es lange unter dem Gallenbirnbaum zwischen dem Pfarrhelferhaus und dem Sigristengarten und deutete mit dem Zeigefinger bald da-, bald dorthin und murmelte dazu: »Da isch ä Kapällä, dert isch ä Kapällä, da isch äu eini, dert isch äu eini.« Pfarrhelfer Planzer († 1827) gab ihm ein Almosen. Dann wanderte das Guschi dem Schächental zu und durch die Berge; und, wo es hinkam, lösten sich im folgenden »Läuwiwinter« die Lawinen (12. Dezember 1808).

Frau Arnold-Stadler, 80 J. alt; Johann Gisler, 67 J. alt

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.