Die Hexe auf der Lawine
Oft sahen die Leute von Erstfeld eine Weibsperson vom Bürtschen her durch die Ortschaft bis nach Wyler wandern. Sie trug ganz schwarzes Gewand, auf dem Kopf ein altmodisches schwarzes Häubchen, am rechten Arm ein Körbchen. Woher und wer sie eigentlich war, wusste niemand. Man munkelte allerlei von ihr, so z.B., dass sie nachts den Leuten das Vieh von den Ketten löse. Als einst die Lawine durch das Wylertal hinunter kam, da war bei Gott! die Hexe vor darauf, sass an einem Spinnrad und spann. Das schlug aber dem Fass den Boden aus. Vier Männer packten sie, als sie einst wieder im Lande war, und in einer Gand im Wylerwald wurde sie auf einen Scheiterhaufen geworfen und verbrannt. So haben es die Alten erzählt, ich selber habe sie nie gesehen.
Zacharias Indergand, 40 J. alt, Fabrikarbeiter
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.