»Wen-i ä rotä Strimpf hätt.«
Über Bürglen ging ein schreckliches Unwetter nieder. Der Regen fiel, dass es rauschte, und die Bäche und Bächlein tosten auf allen Seiten. Zwei Hexen, die schon lange den Bürglern den Untergang geschworen hatten, benutzten die Gelegenheit. Die eine liess im Sonnigen ob dem Färchwald, die andere im Schattigen auf der Vierschröt oder im Riedertal je eine Rübi an. Schon hatte die im Riedertal mit ihrer Rübi den Bach hinterschwellt. Wie weit die andere ob dem Färchwald mit der ihrigen herabgefahren, sieht man noch heute. Aber jetzt kamen die Kirchenglocken zur Sprache, und die Glöcklein zu Loreeten und im Riedertal tönten gar laut zum Himmel. »Ich mag nimmä,« rief es im Schattigen. »Ich mecht nu, wen-i ä rotä Strimpf hätt,« antwortete es im Sonnigen. Die Rübenen stellten ihren Lauf ein.
Mitget. v. Kaplan Daniel Aschwanden
Noch vor wenigen Jahrzehnten sagte man zu Bürglen, wenn ein Weibervolk in roten Strümpfen daher kam, es sei eine alte Hexe.
Ambros Gisler, Maurer
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.