Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Hexe und die drei Glocken

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

1. Bei einem fürchterlichen Hagelwetter stürzte eine verheerende Rübi brüllend und tosend aus dem Gosmertal hervor und drohte, die sämtlichen Felder bis nach Schattdorf hinunter zu verwüsten. Da läuteten aber die Wetterglocken zu Bürglen und Schattdorf, und auch das helle Stimmchen des Glöckleins der Loretokapelle mischte sich in den Chor. Jetzt hielt die Rübi in ihrem drohenden Sturze inne, und die Hexe, die oben darauf sass, schrie erbost: »Wenn ds chly Sywli (oder: ds Vrenäli) gysset z'Loreetä und ds Greti schrytt z'Birglä und das gross Loos (Mutterschwein) briälet z'Schateref, isch nymeh z'machä!«

2. Drei Hexen waren damit beschäftigt, die Vierschröt, einen riesigen Felsen, zu stürzen. Da begannen zu Bürglen, Loreto und Riedertal, die Glocken zu läuten. Jetzt entsanken den Hexen ihre Zauberkräfte, und sie mussten ihr menschenfeindliches Beginnen aufgeben. Die eine der beiden klagte: »Wennd diä gross Fährlä z'Birglä und ds Vreni im Riädertall und ds Sywli z'Loreetä gysset, isch doch rein nymeh z'machä.«

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.