Der neugierige Fuchs
Zwei Männer lagen in einem kleinen, zweimännigen Tatschihüsli in der Göscheneralp auf der Lauer. Endlich kam ein Fuchs daher. Er schaute so liämsch in die Fenster hinauf, hinter denen die Jäger versteckt waren, ging vorwärts, auf die Beize los und frass davon. Da sagte der eine Jäger zum andern: »Schiäss!« Und dieser schoss. Jetzt stand das Tier bei der Beize auf die Hinterbeine und schaute gegen das Fenster hinauf. Zum zweiten Mal feuerte der Jäger. Der Fuchs machte es wieder so. Als der dritte Schuss knallte, ging der Fuchs von der Lockspeise weg, stellte sich vor dem Fenster auf, legte beide Pratzen auf dem Fenstergesims auf und schaute so ganz gemütlich in die Stube hinein. Das grauste den Jägern, und sie liessen das Schiessen bleiben. »Syner Läbtig heig-em niä nyd äso g'grüset,« versicherte mir später der eine der beiden Jäger.
Paulina Tresch, Maderanertal, 20 J. alt
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.