Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die an einen Faden gebundene Katze

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Auf einer Alp im Kanton Uri fielen sehr viele Rinder, – man sagt hier zu Lande »wurden geschlagen« – und niemand konnte den Grund hievon enträtseln, jedoch dachten die Leute an bösen Spuk. Hierüber wurde ein Geistlicher berichtet, welcher den Leuten die Zusicherung gab, dass er auf Abhilfe denken wolle. Darauf hin hörte die Rinderkrankheit auf, und es wurde kein Rind mehr geschlagen. Als nachher ein Mann auf diese Alp ging, traf er eine Katze an, welche an einen Faden gebunden war und bei seinem Erscheinen sich sehr schmeichelnd geberdete und mit dem Schwanze recht freundlich tat. Dieser erbarmte sich des angebundenen Tierchens und liess es los, welches zu seinem Erstaunen auf der Stelle verschwand. Die vorige Krankheit trat wieder ein. In der Folge reiste derselbe nach Mailand, und als er dort durch die Stadt ging, rief jemand aus dem Fenster eines Hauses ihm hinauf. Er folgt dem Rufe und findet da eine Frau, welche ihm reichlich zu essen und zu trinken gab. Dann sagte sie zu ihm: »Ich war die Katze, die ihr auf jener Alp in Uri losgelassen habt.«

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.