Dem Ofen sagen
Am Eingang in das Isental hausten vor Zeiten Räuber und zwar ein ganzes Kartenspiel. Sie riefen sich gegenseitig mit dem Namen der Spielkarten. Vom Keller ihres Häuschens zog sich eine unterirdische Höhle bis hinunter an den alten Weg; sie heisst heute noch das "Mirderloch." Nachts spannten sie Drähte über den Weg, und wenn jemand daran stiess, läutete es im Räuberhäuschen. Auf diese Art fingen sie einst ein 16jähriges Mädchen; sie liessen es am Leben, und es musste bei ihnen bleiben und ihnen den Haushalt führen. Nach vielen Jahren erhielt es einmal die Erlaubnis, seine Eltern zu besuchen, musste aber den Räubern hoch und heilig versprechen, keinem Menschen zu sagen, wo sie seien. Daheim ging das Mädchen zum Ofen und erzählte diesem alles. Die Seinen hörten solches und überredeten das Mädchen, Sagmehl auf seinem Rückweg zu streuen. Es folgte, und so wurde die Räuberhöhle ausgekundschaftet, eines Tages vom Militär umzingelt, und nachdem das Mädchen auf ein verabredetes Zeichen geflohen, ausgeräuchert, dass die Räuber erstickten.
Auch im Salzmisloch in der Nähe der Isleten, in das aber bei hohem Seestand Wasser eindringt, sollen Räuber gehaust haben.
Barbara Gisler, 80 Jahre alt, Attinghausen; Maria Ziegler
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.