Die flinke Hexe
Meines Vaters Bruder zu Wattingen – das isch nu käi Hüffä Jahr sitter – stand vor seinem Hause, als er von Wassen her ein Weibervolk daher kommen sah, das er an den Kleidern sofort als eine alte Hexe erkannte. Es hatte keinen Tschoopen, sondern nur äss Gstältli an und war in weissen Hemdsärmeln, der Kopf mit einem grossen Schinhut bedeckt. »Das erschiässisch, wennd's daa isch!« sagte er zu sich und lief gleitig über die Stiege hinauf ins Haus und holte sein Gewehr. Doch als er wieder vor's Haus kam und um die Hausecke nach der Hexe spähte, war sie schon ä grysslichi Feeri wytt über Wattingen hinaus; sie schaute nach ihm zurück und winkte ihm höhnisch mit dem Schinhut. Eine viertelstündige Strecke hatte sie in kaum drei Minuten zurückgelegt.
Kath. Gamma, 50 Jahre alt, Wassen
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.