Bei der Geissgelti
gehts auch nicht mit rechten Dingen zu. Meine Frau, eine Schächentalerin, hat erzählt, der Sigrist zu Spiringen habe sie oft unter seinen Geissen gehabt. Einmal, als sie wieder unter ihnen herrschte, war zufällig so ein Schuhmacherli bei ihm auf der Stör, und dem klagte er eines Abends seine Plage. Das sagte: »Morgen früh melk die Ziegen sauber, bring die Milch mir und dann schau!« In der folgenden Nacht kam ein Wybervölchli vor's Haus und rief: »Schüemacherli, schlafisch?«, und er antwortete: »Ja, ich schlafä nu.« Am Morgen machte es der Sigrist, wie ihm geraten worden. Der Schuhmacher tat die Milch in eine Pfanne über Feuer, sott sie und rührte währenddessen darin. Alsbald kam »näiwis Tunggs« keuchend und gruchsend dahergerannt und hielt an, er solle mit dem Sieden aufhören. Aber der Schuhmacher ging nicht darauf ein. Allmählich verschwand das Wybervölchli. Wie, weiss ich nicht. Der Sigrist meinte, äs häigs v'rsprängt.
Jos. Betschart, 66 Jahre alt, Muotatal
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.