Die Raupenplage
Auf den Arnibergen trieb sich einst ein fremdes Manndeli herum, ein ganz geringes Manndeli, nur so ein Tschumeler, man hätte meinen sollen, er wäre für nichts und wieder nichts, nid amal fir-ä blawä Hüestä. Bei einer Familie, die gerade bei drohendem Wettersturz dürres Heu einheimste, trug er seine Hilfe an. »Ja, a diär hätte-m'r etz scho nu ä rächtä Ghilfä«, meinten die Leute, spotteten und höhnten seiner, und der Unbekannte marschierte gemächlich davon. Mit einer Hand machte er allerlei Manöver; es schien, als ob er etwas über die Bergwiesen säen würde. Nach einigen Tagen zeigte sich auf selben eine unsagliche Masse Graswürmer; hoch war das Gras von ihnen bedeckt und in kurzer Zeit kahlgefressen. Man hörte das gierige Ungeziefer förmlich fressen und nagen.
Fr. Jauch-Bissig, 62 Jahre alt, Silenen
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.