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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die goldene Stadt

Land: Schweiz
Kanton: Zürich
Region: Winterthur, Weinland
Kategorie: Sage

Die goldene Stadt

Bei Dinhard ist ein Wald, und wenn man dort drin wandert, so wird es einem ganz sonderbar zumute. In diesem Walde war nicht immer gut jagen. Es gab gewisse Tage, an welchem sich erfahrene Jäger nie auf die östliche Seite wagten, weil dort eine goldene Stadt sei, in deren Weichbild jeder Uneingeweihte unfehlbar von Schwindel und Ohnmacht befallen werde. Es war schon zu spät, wenn man die prächtigen Häuser durch die Baumstämme leuchten sah,

Der Jäger Hans Hug, der, ein Reh verfolgend, in diese Gegend geraten war, sah noch eben, wie das Tier sich in eine schöne Jungfrau verwandelte. Es fing ihm an zu schwindeln, und als noch ein kleiner, hässlicher Zwerg von einem Obstbaume herniedersprang und ihn mit einem Stocke schlug, fiel er vollends in Ohnmacht.

Als er wieder erwachte, war die Sonne verschwunden. über ihm rauschte der dunkle Wald, Er selbst lag in einem tiefen, schmutzigen Graben, und als er sich aufrichtete, sprang eine Ratte über ihn hinweg, welche ein „Nadelhölzchen“ in der Schnauze trug.

Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Winterthur und Weinland
Stilistisch vereinfacht aus „Schweizerblätter“ 1832, XlI, S 46 ohne Autor: Lienert S, 114; Corrodi, Sagen Winterthur, 1916, Nr. 13; Corrodi, Zürcher Bauer, 23. 3. 1938. Vgl. Abteilung V, Kloten, verwünschte Stadt.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.