Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Wildensbuch

Land: Schweiz
Kanton: Zürich
Region: Winterthur, Weinland
Kategorie: Sage

Wildensbuch

Eine wunderliche Behauptung hört man um Trüllikon und Andelfingen. Nicht weit von diesen Orten liegt das Dörfchen Wildensbuch. Dessen Einwohner glauben bis heute (1862) in allem Ernste, ihr Dorf sei der Mittelpunkt der Welt.

Quelle: K. W. Glaettli, Zürcher Sagen 1970, Winterthur und Weinland
Aus Rochholz, Naturmythen, S. 164. Vgl. dazu A. Ribi, Die Namen der Ortschaften am Zürichsee (Jahrbuch vom Zürichsee 1946/47, S.91), wo auf solche Weltmittelpunkte hingewiesen wird.
In den Weltmittelpunkten des klassischen Altertums, Delphi und Athen war dieser Mittelpunkt bestimmt durch einen behauenen Stein, der den Nabel (Omphalos) der Welt darstellte. Möglicherweise waren der Elfistein bei Meilen und der Zwölfistein bei HinwiI etwas Ähnliches. Aus der Verbreitung dieser Steine liesse sich allenfalls schliessen, dass man unter „Welt“ kein allzugrosses Gebiet vorzustellen hat. So nennt z. B. der Oberländer sein Dorf, seinen Weiler oder gar nur den Hof „euseri Wält“. Über Wildensbuch fehlen alle diesbezüglichen Angaben. Deutsche Weltmittelpunkte: Tanna und Pausa in Sachen, Poppau in der Altmark, Einzigen bei Allstedt. An beiden letztern Orten zeigt man einen Felsblock In einem Teich als eigentliches Zentrum.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.