Schneekündendes Manndli
Ein 80jähriger Älpler von Gurtnellen, der über 50 Jahre in der Alp Gornern g'sännet het, schöpft aus dem Born seiner Erinnerungen: Das war am 8. Herbstmonat, abends spät, als ich und der Waldi-Peter und ein Wassener in der Hütte a Rosti, einem Stafel der genannten Alp, beisammen sassen und gemütlich ein Pfeifchen rauchten. Ich hatte schon erwellt (d.h. den Käse und Zieger schon bereitet); da hörten wir jemand aus der Ferne sich unserer Hütte nähern. Er kam taleinwärts, und wir dachten, es sei ein Gemsjäger, der vielleicht bei uns übernachten wolle. Als dieser schon nahe unserer Hütte war, ging der Waldi-Peter hinaus, um zu schauen, wer es sei. Der vermeintliche Jäger ging an der Hütte vorbei, ohne irgend ein Zeichen zu geben, als begehre er, bei uns einzukehren. Nun redete ihn Peter an: »Jeegerli, Jeegerli!« und ich rief noch hinaus: »Laach-ä (lass ihn) la gah, wenn er will innä-chu, so chunnd är scho.« Doch der Wanderer, sobald er angeredet war, wurde nirgends mehr gesehen. Peter sagte, är häig äso ä grawlochtä Tschoope-n-agha, und Chopf häig'm är keinä gseh. Am folgenden Morgen lag tiefer Schnee über der Alp, und drei Tage lang wurde es nicht mehr aber (schneefrei).
Jos. Baumann, im Miseli
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.