Wenn allemal der fromme Senn einer Alp
1. Wenn allemal der fromme Senn einer Alp in Meien bei Zunachten das St. Johannes-Evangelium durch die Folle rief, kam ein Gespenst durch die Alp herunter und spie Feuer; es raste am Senn vorbei und verschwand in der Ferne. Eines Abends meinte der Senn zum Hirten und Handknab: »Wennd's hinecht nu einisch chunnt, so packi-n-i's!«. Und richtig kam es. Als es an ihm vorbeirasen wollte, packte er es mit festem, sicherem Griff. Aber in diesem Augenblick verschwand das Gespenst mit dem Senn für immer.
Gabriel Simmen
2. Auf Portgera kam es ihnen alle Abende vor die Hüttentüre. Eines Abends sagte der freche Senn: »Der wil-i doch hinecht einisch go g'schwauwä!« Und er ging hinaus. Aber niemals mehr hat man seit dem Augenblick den Senn zu sehen bekommen, noch eine Spur von ihm gefunden.
Mich. Simmen, 68 J. alt, Realp
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.