Im Kreise laufen
Gedeon zu Färnigen im Meiental, der es liebt, mit einem Gläschen Schnaps den Rachen zu putzen, war eines Abends vom Dörfli her auf dem Heimweg begriffen. Bei dem grossen Stein in der Feldmatt zu Aderbogen, den sparsame Leute mit einem Kartoffelgärtchen bepflanzt haben, setzte er sich, um ein wenig zu ruhen. Nicht als ob er etwa schon weit gewandert wäre, o nein, höchstens eine Viertelstunde, aber er hatte eine schwere Kiste zu tragen und zudem noch einen Laib Brot und eine Flasche Bundesfusel. Nach einer Weile erhob er sich und marschierte weiter, marschierte die ganze Nacht hindurch, und als es am Morgen zu beten läutete, stand er immer noch neben dem Stein. Er war die ganze Zeit um den Felsblock herumgetrabt. Jetzt lenkte er doch seine Schritte Färnigen zu, aber die Schnapsflasche, die musste er zurücklassen, sonst wäre er nicht vom Fleck gekommen; das Brot hingegen konnte er mitnehmen.
Ferdinand Dubacher
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.