Der Mutter Kreuz
Ein Bursche von Bürglen ging z'Stubeten. Beim Weggehen daheim machte ihm noch das besorgte, christliche Mütterchen mit Weihwasser das Kreuz auf die Stirne.
Es war um Mitternacht, als der Jüngling von Trudelingen her wieder heimkehrte und sich der Brücke zu Brigg näherte. Mit Erstaunen gewahrte er auf derselben eine Menge gespenstiger Gesellen, die ihm den Weg versperrten. »So gehet in Gottes Namen und machet mir Platz!« rief er ihnen etwas beklommen zu. Aber sie wichen nicht. »So gehet doch in des Teufels Namen!« war jetzt sein barscher Befehl. Da stob die Geisterbande auseinander, dass Rauch und Feuerfunken aufwirbelten (»das häig da g'neischtet und g'stobä«!), rief aber dem Burschen noch zu: »Hättest du nicht deiner Mutter Kreuz auf deiner Stirne, so würden wir dich zu Staub und Asche zermalmen.«
David Imhof
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.