Die dankbaren Toten schützen einen Kiltgänger
Wo es war, weiss ich nicht, aber basta, an einem Ort in Uri kam ein Lediger aus einer Nachbargemeinde zum brävsten und reichsten Mädchen des Ortes z'Liecht. Es war ein rechtschaffener sittsamer Bursche, und während er über den Kirchhof schritt, wo ihn der Weg führte, pfiff er jedesmal das Armseelengebet vor sich hin. Die Burschen des Ortes waren ihm neidisch und beschlossen einmütig, ihn eines Abends zu überfallen und zu »trogen«, d.h. in einen Trog Wasser zu werfen. Aber da sind sie nicht gut angekommen. Wohl kam der Jüngling, wenn sie ihm aufpassten, jedesmal zur gewohnten Stunde daher, aber mit ihm noch eine ganze Schar Männer, deren Anzahl diejenige der Aufpasser immer weit übertraf. Das gefiel ihnen nicht, und sie gaben die Verfolgung auf. So hatten die armen Seelen ihrem Fürbitter gelohnt.
Frau Wipfli-Herger
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.