Die edle Mailänderin
So um Mitternacht wanderte ein Schächentaler von Unterschächen her talauswärts. Beim hintern Mühlebach begegnete ihm eiligen Schrittes ein Wybervölchli. »Wohin so in aller Eile?« fragt der Schächentaler. »Auf Chammli«, antwortet es, »da wartet meiner unter dem Firn das Fegfeuer. Ich komme von Mailand, wo mein junger toter Leib noch warm in Seide und Sammet auf dem Sterbebette ruht. Ich war ein vornehmes Fräulein, reicher Leute verwöhntes Töchterchen, habe nie erfahren, was Hitz und Kälte sind, und einmal einen armen, von Frost zitternden Mann seines Frierens wegen ausgelacht.«
Frau Arnold-Gisler, Bürglen
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.