Spuk im Viehstall
Es geschah eine Zeitlang sehr häufig, dass, wenn unser Vater am Morgen in den Gaden kam, die eine oder andere Kuh schon ab der Kette war, oder auch, dass zwei Kühe wunderbar in eine einzige Kette zusammengebunden waren. Auch sonst trieb es im Gaden allerlei Spuk. Eines Tages wurde der Vater darüber zornig und sagte unwillig und laut: »Hättisch di rächt g'haltä! Hättisch rächt ta, sä miesstisch nit wandlä.« Er ahnte wohl, dass sich eine arme Seele merken lasse. Kaum hatte er seinen Ausspruch getan, so hörte er ein unsichtbares Ding weinen, bitterlich flennen. Das rührte ihn, und er liess für die arme Seele Messen lesen, und bald hörte der Spuk auf.
Barbara Gerig, Wyler
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.