Der Geist auf der Tanzlaube
Unter der ehemaligen Tanzlaube neben dem heutigen Helferpfrundhaus in Isental ging der öffentliche Weg hindurch, und der Säumer des Tales musste diese Stelle oft passieren. Jedesmal stand ein Weibervolk auf der Laube und tat dergleichen, als ob es zu ihm aufs Ross wollte. Endlich erzählte es der Säumer dem Ortspfarrer, und der sagte, es sei eine arme Seele. Er solle beichten und kommunizieren und das Weibervolk auf's Ross nehmen, und wenn er dann in einem einzigen Sprung unter der Laube hindurchsetzen könne, so sei die Seele erlöst. Diese werde ihm dann ihre Hand bieten, aber er solle ihr ja nicht die seinige reichen, sondern eine Schindel. Der Säumer tat alles, wie der Pfarrer befohlen, nahm das Weibervolk aufs Ross hinunter und erreichte in einem Sprung das Ziel. Dort fiel aber das Ross tot zu Boden, und er lag eine Zeitlang ohne Verstand da. Als er zu sich kam, wollte ihm das Weibervolk, das erlöst war, die Rechte zum Abschied reichen. Er aber hielt ihm eine Schindel entgegen, die es ergriff. Und siehe, die ganze Hand war nachher darauf eingebrannt.
Frau Gisler-Zwyssig
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.