Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die zwei Mehlkommissäre

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Zur Franzosenzeit lebten in der Gemeinde Silenen zwei Franzosen, die Mehl feilhielten und deshalb vom Volke die[81] zwei »Mählkommissäri« genannt wurden. Als die Franzosen in das Land einfielen, fürchteten sie, von den Einheimischen überfallen zu werden und flohen. Sie wurden aber beim Baumgarten in Amsteg eingeholt, gepackt und von drei jungen Gesellen aus Gurtnellen, Baschi Tresch, einem Welti und einem Weibel, getötet. Aber lange Jahre blieb es da »unghyrig«, bis man endlich das Gespenst anredete. Dieses erklärte, Welti und der Weibel könnten selig werden, weil je ein unschuldiges Kind für ihren Mord werde Sühne leisten, Baschi Tresch hingegen werde keine Seligkeit erlangen. Welti und der Weibel heirateten in der Folge, und jedem der beiden kam ein Kind jung ums Leben. Dem Weibel fiel ein Söhnlein in den Schanzflühen und dem Welti ein Töchterlein in der Intschialp zu Tode; Baschi Tresch aber blieb ledig; für ihn leistete kein Kind die schuldige Sühne.

Jos. M. Baumann, 85 Jahre alt, im Miseli

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.