Das ergiebige Käslein
In einem kleinen Häuschen in der Kuonenrüti zu Äsch lebten zwei betagte Mandli. Sie hatten zwei Ziegen, deren Alte sie von einem Gemsbock aufgenommen hatte. Einst gaben sie einem Bettler so ein Geisskäslein und sagten ihm, wenn er's nie auf einmal gänzlich aufesse, so werde er seiner Lebtag Käse genug haben. Und so geschah es; wenn der Bettler auch nur das kleinste Brösmeli am Abend übrig liess, hatte er am Morgen wieder das ganze Käslein. Aus G'wunder ass er's einmal sauber auf, und jetzt war's fertig mit der Herrlichkeit. Die zwei Geissen aber entliefen einmal bei warmem Föhnwetter ihren Herren und verwilderten. Das Trychel-Geissli hörte man noch lange in den Stöcken.
Der Gemschichäs tüet nu waxä nu schwynä. »Dü hesch, mein-i, Gämschichäs«, sagt der Schächentaler zu einem, dessen Speisevorräte recht ergiebig sind.
Fr. Gisler- Arnold
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.