Die Bergleutlein als Knechte
Zu Freudigen in der Gemeinde Oberburg lebte einst ein Bauer, dem die Bergleutlein besonders gewogen waren. Wenn er am Morgen den Stall betrat, waren die Pferde gefüttert, gestriegelt und gebürstet. Nicht selten liess sich einer von den Kleinen bei seiner Arbeit erblicken. Aber jedesmal jammerte es den Bauer, wenn er ihn in seinen dünnen und zerrissenen Höschen sah. Als einmal der Schneider im Hause auf der Stör weilte, liess der Bauer dem kleinen Wicht zum Dank ein Paar Zwilchhöslein anfertigen. Am Abend, bevor er sich zur Ruhe begab, hängte er sie an der Stalltüre auf, und am Morgen waren die Höslein verschwunden. Aber seither zeigten sich die Zwerglein im Rossstall des Bauern zu Freudigen nie mehr.
Emmentaler Sagen, Hermann Wahlen, 1962 Gute Schriften Bern
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.