Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Würzbrunnen

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Region: Emmental
Kategorie: Sage

Als noch Wolf und Bär im waldreichen Emmental hausten und Menschen und Vieh unsicher machten, stand auf der Anhöhe von Würzbrunnen eine Stadt.

Einst führten ihre Bewohner einen blutigen Krieg. Dabei gelang es dem Feind, mit feurigen Pfeilen die Stadt in Brand zu stecken. Tagelang wütete das Feuer. «Bis uf d'Würzen abebrunne» sei die Stadt, behaupten noch heute alte Leute der Gegend.

Unter den Trümmern, die heute unter Wald und Weide verborgen liegen, sollen kostbare Schätze begraben sein, nach denen oft gegraben wird.

Wie durch ein Wunder Gottes blieb das Kirchlein von dem Feuer verschont. Darum genoss es lange Zeit als Stätte der Anbetung hohes Ansehen und wurde für die Bewohner des Emmentals zu einem beliebten Wallfahrtsort.

Viele hundert Jahre nach der Zerstörung der Stadt beschlossen die Bewohner des Tales, das Kirchlein zu Würzbrunnen abzubrechen und es drunten in Röthenbach neu erstehen zu lassen. Allein das war unmöglich. Was die Handwerksleute tagsüber unter grossen Anstrengungen ins Tal hinabgeschafft hatten, das trugen während der Nacht unsichtbare Hände wieder an den alten Ort zurück. Und so ist es gekommen, dass das Kirchlein zu Würzbrunnen, dieses bauliche Kleinod des Oberemmentals, der lieblichen Landschaft erhalten geblieben ist.

Emmentaler Sagen, Hermann Wahlen, 1962 Gute Schriften Bern

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.