Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Wiss Ampeisse

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Wiss Ampeisse

Amene Ort isch e Büri gsi. Die isch e Githung gsi bis a Hag use. Niemere het sie öppis gönnt. U vo Chinge het sie nüt wölle wüsse, es si re agstange; aber die het sie im Verschleikte um ’s Läbe brocht.

Spöter si du anger Lüt i’s Hus cho; äi Büri isch unger em Härd gsi. Du si bi dr Füürplatte Hüfe wiss Ampeisse vürecho. Das si die tote Ching gsi.

Die weissen Ameisen dürfen wohl als Seelentierchen angesprochen werden, die durch den Tod frei geworden sind. Die Vorstellung von dem Glauben an die wiederkehrenden Toten mag hineinspielen. Warum aber erscheinen die Seelentierchen gerade auf dem Herde? Nach dem Volksglauben erscheinen die Toten an den Orten. da ihre Überreste liegen; vielleicht entledigte sich die Frau der Kinder im Feuer. In der Erzählung kann aber auch die Erinnerung an den Herd- und Feuerkult anklingen, dem wir noch später begegnen werden.

M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.