Bottis Grab
Im Grauholz, unweit der Strasse, die nach Bern führt, liegen auf bemoostem Waldboden zwei altersgraue Granitblöcke. Zwischen ihnen erhebt sich ein von Schatzgräbern durchwühlter Hügel, das Grab des Riesen Botti, der vor alter Zeit hier im Wald gehaust haben soll.
Von ihm erzählt man, er sei zwanzig Fuss lang und von so ungewöhnlicher Körperkraft gewesen, dass er mit Leichtigkeit die grösste Tanne samt dem Wurzelwerk aus dem Boden zu reissen vermochte. Einem gewöhnlichen Menschen sei es unmöglich gewesen, seinen Händedruck auszuhalten. Darum reichten ihm die Bauern, die er häufig auf dem Felde beim Pflügen aufsuchte, nicht die Hand, sondern die Pflugsterze zum Gruss. Darin seien aber jedesmal deutlich die Spuren seines Händedrucks zurückgeblieben.
Nicht minder gross und stark als Botti selber war auch seine Schwester, die ihm, als er starb, sein Grab herrichtete und in ihrer Schürze viele Stunden weit die Steinblöcke dazu herbeitrug.
Emmentaler Sagen, Hermann Wahlen, 1962 Gute Schriften Bern
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.