Vom Manndli uf em dürren Ascht
Vom Manndli uf em dürren Ascht
Mi Vater isch i de jüngere Johre i de Dörfer usse Charer gsi. Später het er üs Chinge ob em Ässe mängisch es Gschichtli erzellt, wo-n-er für ne Wohrheit usgä het.
As heig e Bur es Jümpferli gha. Einisch sige sie bim Mittagässe gsi. Du verbrichti dr Chnächt, im Vormittag heig er jetz öppis erläbt: das gäb ihm doch frei e chli z'sinne. Wo-n-er dür e Wald gange sig, ghör er eismols e Stimm: „Säg em Liriläri, dä u dä uf em dürren Ast sig gstorbe.“ Dr Vater het ihm albe dr Name gä: aber i ma mi nümme dra erinnere. Drufabe hei g das Jümpferli schützlig afo pläre, sig zur Stung uf u furt mümmen umecho.
Das Männchen auf dem dürren Ast und die Magd gehören zum Walde; vielleicht sind es Wesen, die in den Bäumen des Waldes wohnen; wenn ihr Baum gefällt wird, sind auch sie tot; zwischen dem Baume und ihrem Leben besteht ein geheimnisvolles Verhältnis. Ähnlich wie in dieser weit verbreiteten Sage der Tod des Männchens angesagt wird, erscholl im alten Griechenland über das Meer der Ruf: „Der grosse Pan ist tot!» Und viele Stimmen klagten. Pan hiess der Herr, der Gott des Waldes. Mit ihm lebten die Dryaden, die Baumfrauen, mythische Wesen, die sich im Walde aufhielten.
M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.