Vom wisse Vögeli
Vom wisse Vögeli
Vor alte Ziten isch es giftigs wisses Tau vom Himmel gfalle. Fin wie Wissmähl isch es gsi. Derwäge hei viel Lüt müesse stärbe. Du isch es wisses Vögeli vom Himmel cho u het pfiffe:
„Ässit Aschtränzen u Bibernäll,
So stärbe die Chranke nid so schnäll.“
Das weisse Vöglein kennt ein Mittel gegen die Pest. Es ist aber kein wirklicher Vogel; es kann reden und kommt vom Himmel herunter. Wir dürfen sein Erscheinen wohl so deuten: Gott hat sich der leidenden Menschheit erbarmt; er sendet ein weisses Vöglein, eine „Seele“, auf die Erde, um den Menschen ein wirksames Mittel gegen die verheerende Pest mitzuteilen.
M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.