Wildhans am Kestenberg bei Birr
Der lange, mit schönem Buchenwalde bedeckte Kestenberg trägt auf seinem westlichen und östlichen Ende die zwei Schlösser Wildegg und Brunnegg. Zwischen ihnen hat ein gespenstiger Jäger seine Weidbahn, den man den Wildhans von Wildegg nennt. Er hängt seine Hunde an die Bäume, um sie mit Riemen zu hauen oder Hungers sterben zu lassen, so oft sie die Fährte verloren haben. Dann hört man ihr Gewinsel bis ins Dorf Birr hinab. Aus Wut erhing er sich selbst an einer Eiche. Erst nach langem Suchen fand ihn der Schlossherr, vom Winde in den Zweigen hin und her geschaukelt; sogleich befahl er den Baum zu fällen. Aber Blut quoll unter dem Axthiebe heraus und rote Adern durchzogen den ganzen Stamm. Da verbrannten die Leute den Stamm samt dem Leichnam.
Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 73
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch