Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Ruine Heinzenburg unter Präz

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Der letzte Burgherr war ein roher, tierischer Mensch, der besonders die Bewohner des Dorfes Präz arg plagte. Einmal raubte er die schöne, junge Braut eines dortigen Jünglings: Tieni Vergith (der Name des Mädchens ist unbekannt). Die treue Braut behielt dem Wüstling gegenüber, ein würdevolles Benehmen. Geärgert rief der Rohe: "Sollst meine Magd sein, stolzes Geschöpf, such mir Läuse." Er hielt ihr den Kopf hin, das Mädchen wollte sich von Ekel angewandelt zurückziehen. Da sah sie durch das enge Fenster die Präzer bewaffnet auf das Schloss zukommen, voran ihren Bräutigam. Sie streichelte den Kopf des Ritters bis er einschlief. Die Knechte wurden nun von den Präzern überwältigt, der Ritter getötet, das Mädchen, in der Unvorsichtigkeit des Handgemenges leider auch. Tieni Vergith starb bald. Seine getötete Braut hütete fortan als Geist das Schloss, in ihrem schwarzen Brautkleid, schön aber totenbleich, einen eisernen Schlüsselbund in der Hand, sieht man sie in Mitternächten der Fronfasten vor der Ruine. Hat ein Vergith, aber auch nur ein Vergith, den Glauben und den Mut zum Geiste hinzugehen und ihm den Schlüsselbund abzunehmen, so tun sich ihm die reichgehäuften Schätze des Raubritters auf.

Aus: U. Brunold-Bigler, Die Sagensammlung der Nina Camenisch, Disentis 1987, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.