Blüemlisalp
Manche vormals blumige Alpe (Blümelisalp) hat das Andenken grauser Vergletscherung aufbewahrt, die plötzlich hereingebrochen. Damals, in jenen bessern Tagen war noch überall aus den Alpen fruchtbare Weide, und ewiges Eis bedeckte noch nicht den schönsten Teil derselben. Damals waren die jetzt so häufig vorkommenden Giftpflanzen, das Eisenhütchen und andere dem Vieh gesund, dem Menschen nicht schädlich. Damals frassen die Kühe ohne Schaden die giftige Wolfsmilch, welche einige Alpen beinahe ganz überzieht, und gaben desto mehr Milch. Dreimal des Tages wurden sie gemolken. Allein die Laster der Menschen machten den Zorn des Himmels rege; und das ewige Eis der Gletscher überzog zur Strafe den grünen Teppich des Alpenrasens.
Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.