Sturz des Mandlisers
Der Mandliserberg in Uri bildet mit einem seiner Gräte, dem Jakober, die südliche Begrenzung des wilden Leutschachtales, dessen Hintergrund, früher eine schöne Alptrift, jetzt mit ungeheuern Granitblöcken bedeckt ist. Vor vielen Jahrhunderten stürzte ein Teil des Mandlisers ein. Davon erzählen die Hirten folgende Sage:
Vor Zeiten weideten mehrere Hirten in diesem Talboden eine grosse Herde. Eines Abends wurden sie in nicht geringen Schrecken versetzt, als aus der Felswand gerade über ihnen ein Getöse und ein dreimaliger Ruf "fort!" sich vernehmen lies. Eilig traten sie zusammen und beratschlagten, ob sie der Stimme folgen und den Ort verlassen sollten. Die Mehrzahl war der Meinung, dass man auf das Geschrei des Ungeheuers nicht achten solle. Sie blieben auch dann noch fest auf ihrem Beschlusse, als am dritten Tage der Berg noch heftiger dröhnte und als furchtbar die Worte erschollen: "Hinnech chumeni dä!" (Heut Nacht komm ich dann!) Kaum war aber die Nacht eingebrochen, so stürzte der Berg zusammen, und Hirt und Herde wurden unter den Trümmern begraben.
Zur Erinnerung an die schreckliche Begebenheit heisst jetzt noch der verschüttete Ort vom Warnungsrufe "fort!" z'Furt.
Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchenstiftung.ch