Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Martinsdruck

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Das Martinsloch (Eiger) ist eine durch die Felsen gehende Öffnung, durch welche zwei Mal des Jahres, im Wintermonat und Jänner, die Sonne durch das Heiterloch nach Grindelwald scheint. Dieser Öffnung gegenüber gewahrt man den sogenannten Martinsdruck, wo die Felswand in Form eines menschlichen Hinterteils, aber in fünf- bis sechsfacher Grösse, ausgehöhlt ist.

Einst, so erzählt die Sage, hingen der Mettenberg und der Eiger fast zusammen. Hinter ihnen lag, wo jetzt das Eismeer ist, ein gewaltiger See. Wenn seine enge Ausflussspalte sich mit Eislasten schloss, wuchs er ungeheuer an, dann brach er durch und zerstörte dem armen Volke das Gelände. Nun schaffte der heilige Martinus, ein riesenhafter Mann, Hilfe; er stemmte sich an den Mettenberg, und stiess mit einem Stocke den Eiger zurück. Die Folge war, dass sein Leib in die Felswand sich eindrückte, dass durch einen misslungenen Stoss das Martinsloch entstand, dass aber doch endlich der See durch die neu erweiterte Spalte ablief. Mehrere ähnliche Löcher in den Alpen führen den gleichen Namen.

Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchenstiftung.ch