Die Sträggele - Vernaleken
Zu Urswel im Kanton Luzern ist's am dritten Samstag im Advent nicht geheuer; denn es hat sich Folgendes dort zugetragen: Ein Mädchen hat einst, man mochte es noch so viel antreiben, nicht gesponnen und der Mutter Widerworte gegeben. Da sagte die Mutter: "Kind nimm dich in Acht, übermorgen haben wir Fraufaste, und am Samstag zu Nacht kommt die Sträggele. Spinnst du mir nicht alle Tage deine Rast (aufgegebene Arbeit), so wird dich die Sträggele mitnehmen. Es war aber umsonst. Als die Samstagnacht kam, erscheint draussen die Sträggele und fordert das Meitschi (Mädchen). Die Mutter stösst das Kind hinaus und denkt, es werde morgen schon wiederkommen. Das heulende Mädchen wird fortgetragen und von der Sträggele verzehrt. Am andern Morgen sucht man und findet einige Überreste ihres Körpers zerstreut im Dorfe. Die Mutter und alle die es hören, jammern laut, und in jeder Fraufastennacht denken sie mit Grausen daran, und jedermann fürchtet die grausame Sträggele.
Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchenstiftung.ch