Der kegelnde Bauer
Ein Bauer ging spät in der Nacht bei dem zerfallenen Schlosse Ruchenberg (in Bünden) vorbei. Da hört er ein Tönen, wie wenn man an metallene Gegenstände schlägt, und durch die Bäume gewahrt er einen lichten roten Glanz. Er sieht feurige Blitze und geisterartige Gestalten um das Gemäuer sich bewegen. Es geht näher und kommt zu dem alten Schlosse, das ringsum beleuchtet war. Und er sah drei Ritter, welche mit Kugeln von Gold auf dem Rasen goldene Kegel umwarfen, so dass es weit umher erklang. Der Bauer sah eine Zeit lang dem Spiele zu, und es kam dem Neugierigen und Gewinnsuchenden die Lust an, es auch zu versuchen, während die Ritter ein wenig ruhten. Er schlich beherzt näher, und weil keiner von den Rittern sich regte, ergriff er eine blanke Kugel und warf, dass alle Kegel auf den Rasen fielen. Kaum war aber dies geschehen, so entstund ein grosser Lärm, und Kugel und Kegel sanken zugleich mit allen drei Rittern in die Erde. Der Bauer stund allein im Finstern, und Grauen und Entsetzen trieb ihn von der Stelle.
Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchenstiftung.ch