Der Landhund
Der Fritzefrieder von Gelterkinden in Baselland war ein ebenso reicher als neidischer Mann, und wie er mit den Nachbarn stets in Unfrieden lebte, so fehlte es auch daheim nicht an Zank und Streit. Der Sohn, den er schon oft zum Teufel gewünscht hatte, entlief endlich nach Solothurn, und ließ sich dort für den italienischen Krieg anwerben. Erst nach sieben Jahren benachrichtigte er den Vater einmal von seinem Schicksale und erbat sich ein Reisegeld zur Rückkehr. Statt dessen erhielt er einen halben Batzen in einem Briefe geschickt; in dem nichts als die Worte standen: „Kauf dir dafür einen Strick!"
„So wünsch ich dir doch“, rief der entrüstete Soldat aus, „daß du ewig als neidiger Hund herumlaufen müßtest!“
Der Sohn verlor sich, aber sein Fluch ging in Erfüllung. Ein großer Zottelhund mit tiefglänzenden Augen läßt sich seitdem im Dorfe Gelterkinden zur Nachtzeit sehen. Tut man ihm nichts zu Leide und geht man ihm aus dem Wege, so bleibt er ruhig, denn er liegt gewöhnlich mitten in Gassen und Straßen, (Stud. med. Gysi v. Liestal.)
Notiz: Anmerkung im Buch: Die Sage ist in dieser bürgerlichen Wendung aus der sprichwörtlichen Phrase entstanden, der Strick gehört zum Hund.
Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 86 - 87
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchenstiftung.ch