Kindendes Erdweibchen in Uri
Jost Gisler ist Senne, Gemsjäger und zugleich der Dorfwirt von Unterschächen in Uri. Er hat als Führer durchs Gebirge letzten Sommer folgende Geschichte erzählt.
Wenn man von Unterschächen auf dem Wege gegen die Balmwand geht, unter welcher die Stäubi stürzt, so kommt man zur Quelle des eingegangenen Schächenbades, sie sprudelt warm aus dem Felsen hervor.
Hier vorbei wollte einst die Hebamme des Dorfes zu den Sennhütten am Sidliberg hinauf. Da wo sich die Felswände zu einer Kluft verengern, wurde sie von einem Wilden Mannli angeredet und gebeten, mit ihm zu kommen und einem Herdwibli Beistand in Kindesnöten zu leisten. Sie tat’s und erhielt zur Belohnung eine Schürze voll dürrer Erlenblätter. Da sie das Geschenk missachtete, so sprach das Mannli, indem er sie zum Felsen herausbegleitete, warnend:
Je meh dass du verzatterist,
Je weniger du hattist!
(Stud. Arnold Zschokke von Aarau.)
Sage aus Reitnau
Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 103 - 104
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.