Schloss Reifenstein in Baselland
Am Berge von Reigoldswyl nach Titterten zu steht die Ruine Reifenstein.
Dort lässt sich einmal im Jahre am Stillen-Freitag eine Jungfrau mit einem schwarzen Hündchen blicken. Als sie einst einem armen Manne von Arboldswyl einen grossen Schatz ausgebreitet hinlegte, wollte sich dieser die Sache so bequem als möglich machen und ging schnell in die gegenüberstehenden Gebüsche, um sich Tragstecken zu seiner reichen Last zu schneiden. Ebenso schnell kam er zurück, stürzte über Baumwurzeln, und da er ärgerlich in Flüche ausbrach, war von einem Schatze keine Spur mehr vorhanden. Auch wäscht sich die Jungfrau alljährlich im Brünnlein drunten in der Wiesen-Ebene, und wiederum gelangt der zu ihren Schätzen, der sich dann nicht fürchtet, ihr die Zöpfe aufzuflechten und das wallende Haar zu strählen. Aber nicht bloss ihre Augen funkeln alsdann und blitzen, sie fängt auch an, Feuer zu schnauben, während der Erlöser ihr die hellen Flammen aus den Zöpfen kämmen muss.
Sage aus Reingoldswyl
Band 3.2, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 140 - 140
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.