Das Nachtfräulein in Näfels
Das Nachtfräulein in Näfels war bezaubernd schön und stellte sich des Nachts auf alle Gassen und Wege, wo nur immer ein Bursche vorüber gehen musste, der auf den Nachtbesuch zum Schatz wollte oder wieder davon herkam; es stellte sich ihnen mitten in den Pfad, verschwand auf einen Augenblick, wenn man ihm zu nahe trat, und stand ein paar hundert Gänge entfernt abermals da. Die Kiltgänger waren endlich rätig geworden, es zusammen einzufangen, und zu diesem Zwecke spannten sie Nachts Seile über die Strasse, um es im Entspringen wenigstens zu fällen. Allein das Nachtfräulein wusste um solche Bosheiten schon im voraus und übersprang alle Seile mit leichter Mühe; ja es machte sich aus solchen Nachstellungen ein blosses Gaukelspiel. So dauerte es mehrere Jahre, bis das wunderliche Ding einmal in den Dorfbach springen musste. Hier ist es so gänzlich verschwunden, dass man es seither nie wieder erblickt hat.
(Mündlich.)
Sage aus Näfels
Band 3.2, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 142 - 143
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.