Die Zwerge bei Bussnang
Wenn die Schnitter im heissen Sommer sich zur Mittagsruhe legen, schleichen zweispannenlange Erdmännchen aus einem Felsenspalt. Von weitem lauschen sie, ob auch alles schlafe; dann trippeln sie herbei und stellen einen Silbernapf samt silbernen Bestecken ins grüne Feld, und schleichen sich wieder fort. Erwacht greifen die Schnitter zu und essen, zuweilen finden sie sogar Wein in hübschen Bechern daneben gestellt. Und sobald sie satt und trunken noch ein wenig nicken, holen die Erdmännlein Messer, Topf und alles wieder und schlüpfen in ihren Felsenspalt. Jedoch einstmals schnitt ein Knecht das Gras. Die Kleinen stellten ihm ein Gericht hin, und als er gegessen hatte, nahm er das Besteck nebst dem silbernen Teller zu sich und trug es nach Hause. Als die Erdmännchen nichts mehr fanden, schieden sie von dem bösen Orte.
Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch