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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Uzystein in Monbiel

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

In Monbiel hütete ebenfalls ein wildes Männlein jahrelang die Heimkühe. Man trieb sie ihm morgens hinaus bis zu einem grossen Stein, wo es die Kühe in Empfang nahm und abends brachte es sie wieder bis dorthin zurück. Zu den Wohnungen kam es niemals.

Man legte ihm dann oft Geschenke auf den Stein, unter andern stellte man ihm einmal einen Schoppen Veltliner hin. Das Männlein betrachtete den Wein und besann sich lange, ob es trinken wolle, endlich setzte es ganz vorsichtig die Lippen an und da mundete ihm der Wein äusserst wohl und es trank den ganzen Schoppen. Auch Speisen legte man ihm öfters hin, welche es sich schmecken liess.

Endlich kam man auf den unglücklichen Gedanken, ihm ein Paar Schuhe hinzustellen. Es währte lange, bis das Männlein begriffen hatte, wo sie hingehörten. Es entfernte sich dann aber und kehrte nicht mehr zurück.

Dieses Männlein hiess Uzy und der Stein trägt noch jetzt den Namen Uzystein.

Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.