Bei den Teuchlern
In alten Zeiten bohrte man die Wasser-Teuchel (Wasserleitungen aus Baumstämmen, Anm.) immer nur von einer Seite und so wurden die Teuchel natürlich sehr kurz.
Es kamen dann manchmal in den Wäldern wilde Männlein zu den Arbeitern und lachten und kicherten in ihre Fäustchen, wenn sie sahen, dass man die Teuchel nicht länger machen konnte, als es der Bohrer erlaubte. Sie verstanden es wohl besser, aber sie sagten es nicht aus.
Da sagte einmal ein Arbeiter zu einem wilden Männlein: „Jetzt weiss ich denn, wie man längere Teuchel machen kann, einer von euch hat es meinem Vetter gesagt und der hat es mich gelehrt, heute sollst du mich nicht mehr auslachen.“ „Ja, gelt“, sagte das Männlein, „du kehrst das Holz um und bohrst auch von der andern Seite."
So war das Geheimnis ausgeplaudert.
Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.