Kind auf der Schlossfluh bei Twann
Vor noch nicht gar zu langer Zeit wurde ein Kind aus dem Orte Twann vermisst. Die Eltern des Kindes machten sich mit allen ihren Verwandten und Bekannten auf den Weg um es wieder aufzusuchen, aber lange, lange konnte man es nicht finden. Endlich, nach mehreren Tagen kam es der Mutter in den Sinn, auch die steile Schlossfluh zu ersteigen und siehe! wie sie in das Innere der Burgruine trat, kam ihr das vermisste Kind fröhlich, als ob gar nichts geschehen wäre, entgegengehüpft. Als nun die erfreute Mutter es in die Arme schloss und fragte, ob es sich denn gar nicht nach Haus gesehnt und die lange Zeit über keinen Hunger gespürt habe, antwortete es: "Ach nein! ein schöner unbekannter Herr sei immer bei ihm gewesen, der gar lieb und freundlich getan, die schönsten Spiele mit ihm gespielt und ihm das beste Essen der Welt, Früchte und Backwerk, wie es noch nie gesehen, gereicht habe."
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch