Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der rauschende Baum

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

In einem Tale des Berner Oberlandes steht ein hoher, alter Baum, dessen Gipfel in schönen Mondennächten, wenn rings kein Lüftchen geht, zu tönen und zu rauschen beginnt, als ob ein heftiger Sturm durch seine Zweige hindurchzöge. Hier hat ein eifersüchtiger Älpler einen vom Kiltgang zurückkehrenden glücklicheren Nebenbuhler im Zorn erstochen. Das Mädchen des Getöteten aber soll über diese Missetat irrsinnig geworden sein und den Baum, unter welchem sie verübt wurde, verfluchet haben, dass er jedes Mal, wenn eine linde Mondennacht ist, in welcher die Burschen zu ihren Mädchen zu gehen pflegen und ringsum die Gipfel der übrigen Bäume schweigen, er allein rauschen und sausen soll als Warnung für eifersüchtige Liebhaber, sich nicht zu gleichen Verbrechen hinreissen zu lassen.

C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch