Das Erdmännchen im unterirdischen Gange der Seeburg
Unter dem nicht weit von Luzern gelegenen Turme Seeburg ist ein unterirdischer Gang. In demselben soll ein Erdmännlein hausen, welches ein schwarzes, wahrscheinlich mit Schätzen gefülltes Kästchen bewacht. Ein Pächter aus der Umgegend will dasselbe drei Jahre hintereinander währen den Hundstagen gesehen haben. Seiner Beschreibung nach ist es zwei Fuss hoch, hat einen langen, weissen Bart und weisse Backen. Auf dem Kopf trägt es ein rotes Barettchen. Schuhe hat es keine. Jener Pächter sah es gerade, als es sein grünes Röcklein, welches wahrscheinlich von dem im Gange heruntersickernden Wasser nass geworden war, auf das Gras wieder zum Trocknen ausgebreitet hatte.
Vier herzhafte Studenten wollten es einmal in dem unterirdischen Gange selbst aufsuchen. Kaum hatten sie ihn aber betreten, als der erste, welcher eine Fackel trug, dieselbe fallen liess und sich eilig aus dem Gange heraus an das Tageslicht flüchtete. Hier erzählte er seinen Beleitern, welche ihm gefolgt waren, dass er einen Hasen mit feurigen Ohren erblickt.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch