Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das nächtliche Graben auf dem Friedhofe

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Ein Engadiner erzählte einst wie folgt: Mein Großvater hatte einen Knecht. Eines Morgens sagte ihm derselbe, dass er um Mitternacht Spatenschläge von seiner Schlafkammer aus, deren Fenster nach dem Gottesacker schauten, gehört habe. Nachdem er sie einige Zeit vernommen, sei er wieder eingeschlafen – und endlich von Neuem durch solches Graben aufgeweckt worden. Um sich zu unterrichten von dem, was da vorgehe, stand er auf, kleidete sich an und begab sich zum Kirchhofe hinab. Im Hinuntergehen noch hörte er das Schaufeln, und fand, dort angekommen, ein offenes Grab an der Stelle, die er genau bezeichnet.

Den Tag darauf starb der früher kerngesunde Mann und der Totengräber öffnete ihm das Bett, dessen Decke er vierundzwanzig Stunden vorher weggehoben sah.

C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.