Der Melkstuhl
In der Haupthütte einer Melser Alp war beim Heimfahren ein Melkstuhl vergessen worden. Einer, das Schwierige kennend, eine verlassene Hütte, den Berggeistern anheimgefallen, zu betreten, wettete eine rote Zeitgeiß, die im zweiten Jahre noch nicht gekitzet, ihn zu holen. Er nahm mit sich ein Messer mit eingegrabenem Kreuzzeichen, Feuerzeug, Agathabrot und einen Hund mit Sporen. Sowie er den Melkstuhl berührte, hörte er mit sonderbarer Stimme drohend rufen:
Hettist du nit Fürli heiß
und Hundili beiß,
und Messerli Spitz,
I wett der helfe d' Zitgeiß gwünnen!
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.